Gut fünfzehn Freiheitsfreunde versammelten sich am 4.Juli in einem Seminarraum der Universität Konstanz um dort den amerikanischen Unabhängigkeitstag auf ihre Weise zu begehen. Der Abend stand unter dem Thema “Freiheit und Separatismus – Alternativen zum Zentralismus”.
An diesem Abend wollten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, welche Chancen Sezessionsbestrebungen haben, einen Gegenpunkt zu den gegenwärtig um sich greifenden Zentralisierungstendenzen, v.a. auf europäischer Ebene, zu setzen und uns dem Ziel der Freiheit näherzubringen. Dazu hatten wir uns mit den beiden Buchautoren Marc Bettinger (Autor von “Sezession! Baden-Württembergs Weg in die Unabhängigkeit.”) und Dr. Peter Beranek (Autor von “Freiheit: Ein Bekenntnis”), zwei kompetente Referenten eingeladen.

Marc Bettinger machte den Anfang und schilderte den Zuhörern seinen Weg zum Libertarismus. Hierbei habe vor allem das (übrigens sehr empfehlenswerte) Buch “Geld, Gold und Gottspieler” von Roland Baader eine bedeutende Rolle gespielt. Die Inspisration zu seinem Buch habe ihm eine Motion des SVP-Nationalrats Dominique Baettig geliefert, nach der sich gewisse, an die Schweiz angrenzende Gebiete, darunter auch Baden-Württemberg, der Eidgenossenschaft anschließen hätten können. Die Initiative sei zwar gescheitert, doch habe sie ihm den Stoff für seine Novelle geliefert. Dann ging Bettinger auf die Protagonisten seiner Geschichte ein, einen Offizier, einen Journalisten und einen Unternehmer. Gemeinsam führen sie bei den Landtagswahlen 2016 die “Baden-Württemberg-Partei” zum Sieg und erreichen eine Loslösung des Landes von der BRD. Sein Buch habe sich für eine Selbstpublikation sehr gut verkauft, wobei sich auch die Veröffentlichung von Wilfried Scharnagls Buch “Bayern kann es auch alleine” noch einmal positiv auf die Verkaufszahlen ausgewirkt habe. Bettinger betonte, daß er es für wichtig hält, selbst publizistisch tätig zu sein. Egal, ob dies in Form von Leserbriefen, Blogposts oder gar eigenen Büchern geschehe. Es gebe heute genug Möglichkeiten, dies zu tun.

Im Folgenden ging Bettinger auf die Vorteile von Sezessionsbewegungen aus libertärer Sicht ein. Kleine Staaten, so Bettinger, seien oftmals erfolgeicher und wettbewerbsorientierter, dies sehe man z.B. an Singapur, Luxemburg, Liechtenstein, Hong Kong oder der Schweiz. Deutschland wäre erfolgreicher, wenn es in mehrere kleine Einheiten aufgespalten würde, als es gegenwärtig als Flächenstaat sei. Auch werde durch die Tatsache, daß es für die Bevölkerung in kleinen Staaten viel leichter sei, auszuwandern, der Druck auf die Regierenden verstärkt, die Bevölkerung nicht allzu stark zu schröpfen. Zudem seien Kleinstaaten darauf angewiesen, Freihandel zu betreiben, wodurch der Wohlstand der Bevölkerung gehoben würde. Als Blaupause für erfolgreiche Sezessionen nannte Bettinger die Abspaltung der drei Baltenstaaten Litauen, Lettland und Estland von der Sowjetunion. Hier hätten freier Handel, niedrige Steuern und ein geringer staatlicher Einfluss dazu geführt, daß diese drei Länder heute über ein höheres Pro-Kopf-Einkommen verfügen als Rußland.

Schließlich kam Bettinger noch auf die Chance einer Sezessionsbewegung in Deutschland zu sprechen. Hier sehe er einzig und allein in Bayern Potential für eine Sezessionsbewegung. Die Bayern hätten sich seit jeher durch einen starken Unabhängigkeitssinn ausgezeichnet und es gebe mit der Bayernpartei auch bereits eine Sezessionspartei. Zudem könnten die Bayern zugunsten ihrer Abspaltung anführen, daß sie als einziges Land das Grundgesetz nicht ratifiziert hätten.

Den Anschluß machte Dr. Peter Beranek, der schilderte, wie er als junger Mensch den Drang nach Freiheit verspürte und aus der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik floh. Dort habe er, anstatt des erhofften kapitalistischen Wirtschaftssystems lediglich einen keynesianisch orientierten, umverteilerischen Wohlfahrtsstaat vorgefunden. Er beklagte zudem, daß sich die Ostalgie breitmache und für Leute wie Sarah Wagenknecht mit ihrem Buch “Freiheit statt Kapitalismus” in den Talkshows des öffentlichen Fernsehens der rote Teppich ausgebreitet werde, während freiheitliche Standpunkte totgeschwiegen würden. Dies habe ihn schließlich dazu motiviert sein eigenes Buch “Freiheit: Ein Bekenntnis” herauszubringen, das inzwischen auf Tschechisch und auf Französisch übersetzt worden sei.

Europa sah er auf den Weg in eine  aus Brüssel regierte, zentralistische Wohlfahrtsdiktatur, der Handlungsspielraum der Bürger enge sich immer mehr ein. Seine Vision Europas sehe vor, die freiheitlichen Traditionen wiederzubeleben und ein buntes Mosaik aus kleinen, regionalen, sich selbst regierenden Einheiten zu schaffen. Dies könnte zum Beispiel geschehen, in dem sich die südlichen Landesteile der BRD abspalten. Dies hätte europaweit eine Katalysatorwirkung und dann würden auch Flamen, Basken und Katalonen ihre Unabhängigkeit einfordern. In den neuen Gebieten sei der Dezentralisationsprozeß zügig weiter voranzutreiben.
Zudem sei dieser Prozeß eine Gelegenheit, den Währungsmarkt zu öffnen und Gold und Silber wieder zu ihrer alten Rolle als allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel zu verhelfen.

Im Anschluß an die Vorträge beantworteten die Referenten noch geduldig die Fragen des Publikums, wobei sie sich auch oft gegenseitig die Bälle zuspielten. Erörtert wurden u.a. die verfassungsmäßigen Voraussetzungen einer Sezession und die Chancen der Internetwährung Bitcoin, sich langfristig durchzusetzen.

Der Abend war aus Sicht des Hayek-Clubs ein voller Erfolg. Die beiden Referenten harmonierten wunderbar miteinander und das Publikum äußerte sich ausschließlich positiv über die Veranstaltung.

Aufzeichnungen der Vorträge finden sie wie immer in unserer Mediathek.