Am vergangenen Mittwoch fanden sich knapp 30 junge, interessierte Gäste an der Universität Konstanz ein, um am ersten Vortragsabend des Hayek-Clubs nach der Sommerpause teilzunehmen. Nachdem Frank Schäffler seinen Termin kurzfristig absagen musste, war es gelungen, Thomas Jacob, den Präsidenten der Schweizer Goldfranken-Initiative als Referenten zum Thema “Geld, Gold, und Gottspieler – Parallelwährungen als Weg zur Geldreform?” zu gewinnen.

Zunächst gab Herr Jacob einen kurzen Überblick über die historische Entwicklung des Geldwesens. Geld habe sich zunächst als Ergebnis eines spontanen Marktprozesses entwickelt. So sei es in einer arbeitsteiligen Gesellschaft notwendig, zu tauschen, da nicht jeder selbst alles produziert, was er braucht. Da aber der direkte Tausch nur selten möglich ist, waren die Menschen gezwungen, den Umweg über den indirekten Tausch zu suchen und sich nach immer besseren Tauschmitteln umzusehen, um ihre Chancen auf ein Tauschgeschäft zu erhöhen. In diesem evolutionären Prozeß hätten sich über die Jahrhunderte Gold und Silber als beste Tauschmittel herausgestellt, da diese optimale Geldqualitäten besäßen (haltbar,teilbar, transportierbar, wertvoll, etc.).

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Im vierzehnten Jahrhundert hätten sich dann die ersten Banken gegründet und die ersten Banknoten, die damals noch Lagerscheine für Gold waren, seien in Erscheinung getreten. Bis 1914 habe dann der klassische Goldstandard bestanden, wobei jedoch durch das Teilreservesystem immer mehr Banknoten ausgegeben wurden, als Gold zur Verfügung stand, wodurch das System periodischen Instabilitäten ausgesetzt war. Seit Präsident Nixon im Jahr 1971 schließlich die Goldeinlösepflicht aufhob, gebe es zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit nur noch ein reines Papiergeldsystem. Papiergeld sei durch nichts gedeckt und könne beliebig vermehrt werden, was zu vorher ungesehenen Geldmengenausweitungen und weltweiten Schuldenexzessen und Finanzkrisen geführt habe. Mit Hilfe von Charts illustrierte Jacob den dramatischen Wertverfall der Währungen Dollar, Euro und Franken in den letzten Jahrzehnten. Die Möglichkeit, Geld aus dem Nichts zu schaffen, habe zu uferlosem Staatswachstum geführt und verführe die politischen Akteure zur Gottspielerei – so auch der Titel eines Buches von Roland Baader. Es sei eine Anmaßung von Wissen, zu glauben, man könne die optimale Geldmenge kennen.

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Schließlich kam Thomas Jacob auf den konkreten Vorschlag seines Vereins, eine Goldmünzwährung als Parallelwährung zum Schweizerfranken einzuführen, zu sprechen. Danach soll ein neuer Artikel in die Schweizer Bundesverfassung eingefügt werden, nach dem der Bund einen Satz Goldmünzen, beginnend bei 0,1 Gramm Goldgehalt, definiert, die dann von jedem privaten Produzenten hergestellt werden können und ein Schweizerkreuz als Gütesiegel erhalten sollen. Zudem soll der steuer- und abgabenfreie Handel mit Goldmünzen durch die Verfassung garantiert werden. Durch diesen Vorschlag würde, so Jacob, würde eine neue, praktische, einfache und sichere Handelsform für Gold in der Schweiz eingeführt. So sei es zwar auch heute schon möglich, z.B. Goldvrenelis zu kaufen, diese kosteten aber zwischen 200-500 Franken und seien daher für Kleinsparer ungeeignet. Zudem gebe es auf dem Goldmarkt eine unüberschaubare Vielzahl von Produkten, so daß der Normalbürger meist auf fachkundige Beratung angewiesen sei und daher auch nur wenig Gold besitze. Die Einführung eines normierten Goldmünzensatzes mit Goldmünzen ab 0,1 Gramm Goldgehalt (entspricht etwa 5 Euro) gebe dem Bürger Orientierung und mache den Goldbesitz für breite Bevölkerungsschichten zugänglich. Der Bürger werde so unabhängiger vom staatlichen Papiergeldsystem und könne sich so besser vor staatlichen Zugriffen schützen. Nach Jacobs Idealvorstellung wird es bereits in wenigen Jahren möglich sein, am Bancomaten auszuwählen, ob man sein Geld in Euro, Franken oder Gold ausbezahlt haben möchte.

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Geduldig beantwortete Thomas Jacob die Fragen des interessierten Publikums, ehe man noch zum Café Münsterhof weiterzog, wo man den Abend ausklingen ließ. Für den Hayek-Club Konstanz war der Abend auf jeden Fall ein gelungener Start ins neue Semester.

Fotos: Thomas Helwig