Seit Anfang diesen Jahres verfügt nun endlich auch Deutschland über ein Mises-Institut. Die Tatsache, daß es bisher kein solches in Deutschland gab, obwohl ein bedeutender Anteil der zeitgenössischen Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie aus Deutschland kommt, hatte den Verfasser dieser Zeilen in der Vergangenheit immer wieder zu dem Ausspruch verleitet, in Deutschland herrsche ein derart etatistisches Meinungsklima, daß inzwischen die durchschnittliche ehemalige Sowjetrepublik mehr Mises-Institute als Deutschland vorzuweisen habe. Dem ist jedoch ein Ende gesetzt worden und das neugegründete Institut bestritt gleich am 15. Juli seine erste Konferenz zum Thema “Steuern und Inflation” im Bayerischen Hof in München.

Den Auftakt machte Prof.Dr. Hans-Hermann Hoppe. Einmal mehr enttarnte er den Staat als rechtsbrechenden “Rechtsschützer” und als enteignenden “Eigentümsschützer”. Gekonnt widerlegte er einige gängige Argumente zur Rechtfertigung von Steuern und ging anschließend noch auf die wirtschaftlichen Auswirkungen von Steuern ein. Durch die Erhebung von Steuern werde die Gesellschaft in 2 Klassen,die der Steuerzahler und die der Steuerempfänger, gespalten. Zu den Steuerempfängern zählt Hoppe Sozialhilfeempfänger, Beamte, Politiker und Plutokraten. Die ersten drei Gruppen zählten jedoch nicht zu den Hauptprofiteuren der staatlichen Umverteilung. Dies seien vielmehr die Plutokraten, eine neuartige Machtelite aus Großbanken und Großindustrie, die den Staat zur eigenen Bereicherung nutze.

Anschließend folgte Rahim Taghizadegan, der in seinem Vortrag auf die Entstehung und Entwicklung des Geldes einging und dabei auch einige populäre Irrtümer diesbezüglich korrigierte.

Schließlich folgte Prof. Dr. Thorsten Polleit mit einem Vortrag über das Verhältnis zwischen Staat und Banken, welches er treffend als “verbrecherische Symbiose” kennzeichnete.

Nach dem Mittagessen referierte Prof.Dr.Philipp Bagus über die Entstehung von Konjunkturen und Krisen, wobei er insbesondere auf die Erklärungsansätze der österreichischen Kapital- und Konjunkturtheorie einging.

Den Abschluß machte ein gutgelaunter Prof.Guido Hülsmann, der in seinem Vortrag aufzeigte, welcher Mittel sich der Staat bedient, um dem Bürger das wahre Ausmaß der staatlichen Schröpfung zu verschleiern.

Nach den Vorträgen gab es noch eine Fragerunde mit den Referenten. Ein Fragesteller war tatsächlich noch der Meinung, daß es trotz allem noch “ein bißchen Staat” bräuchte und fragte Prof. Hoppe, mit wieviel Prozent des BIP er das Steueraufkommen, das für den minimal notwendigen Staat erforderlich sei, einschätze. Der Altmeister verkündete daruaf, er könne diesen Anteil ganz genau beziffern, nämlich mit null Prozent. Im Publikum brach daraufhin tosender Beifall aus.


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V.l.n.r.: Hans-Hermann Hoppe, Thorsten Polleit, Guido Hülsmann, Philipp Bagus
 

Ich jedenfalls habe noch nie so viele gutangezogene Anarchisten auf einem Haufen gesehen und hoffe, daß das neue Mises-Institut dieser Veranstaltung noch viele weitere folgen lassen wird.